Handy-Wecker ohne Internet: Der Neustart ist die Ausnahme

Der Gedanke kommt meistens abends: Das Handy hängt am Ladekabel, das WLAN ist aus, und morgen früh muss es klappen. Im Flugmodus, im Funkloch, ohne SIM-Karte: Der Wecker klingelt trotzdem. In den deutschsprachigen Suchergebnissen zu dieser Frage steht die Antwort längst, auf Verbraucherportalen, in Foren und in den FAQ der Hersteller, und sie ist richtig. Dem widersprechen wir nicht. Kein Netz heißt nicht, dass der Wecker ausfällt, und ein Handy ohne Strom klingelt nicht.
Die Antwort hört allerdings genau dort auf, wo unsere anfängt. Alle diese Seiten sprechen über die eingebaute Uhr. Eine Wecker-App aus dem Store steht auf etwas anderem, und wer darüber schreibt, hat selten selbst eine gebaut. Wir schon, und deshalb stehen hier Zahlen. Diese Seite sagt, woran der Wecker einer solchen App hängt, an welcher einzigen Stelle es kompliziert wird und wie lange das dauert.
Was eine Wecker-App beim System anmeldet
Ein Wecker in Wake Boom ist kein Programm, das die Nacht über wach bleibt und auf die Uhr sieht. Die App trägt ihn beim Weckdienst des Betriebssystems ein, in der höchsten Klasse, die Android dafür kennt: Der Termin gehört danach dem System. Eingetragen wird er auf dem Gerät. Kein Schritt dieser Anmeldung geht über eine Leitung: Kein Server schickt morgens etwas, und kein Funkloch kann etwas unterbrechen.
Dadurch beantwortet sich die Ausgangsfrage von selbst. WLAN aus, SIM raus, Flugmodus an: Am eingetragenen Termin ändert das nichts. Der Wecker, den du im Zug ohne Empfang stellst, steht danach genauso fest wie der von zu Hause, und ein Handy, das die ganze Nacht keine Verbindung hat, weckt dich am Morgen trotzdem.
Handy aus: die Grenze, die keine App verschiebt
Dicht daneben liegt eine zweite Frage, und sie wird genauso oft gestellt: Was passiert, wenn das Handy ganz aus ist? Dann klingelt kein Wecker, weder unserer noch der eingebaute. Ein ausgeschaltetes Gerät führt keinen Weckdienst aus und sieht auch nicht nach, wie spät es ist, und keine App der Welt ändert daran etwas. Wer das in einem Forum fragt, bekommt dort dieselbe Antwort. Eine Schicht darunter wird es interessant. Zwischen ganz aus und wieder an liegt der Neustart, und über den steht in diesen Ergebnissen nichts.
Der Neustart, die einzige heikle Stelle
Beim Neustart verliert das System jede Anmeldung, die eine App bei ihm hinterlegt hat. So ist Android gebaut, und keine App kann daran etwas ändern: Der Weckdienst fährt leer hoch. Wake Boom hält deine Wecker deshalb zusätzlich selbst fest und meldet sie nach dem Hochfahren neu an, aus dem gespeicherten Stand.
Genau in dieser Wiederanmeldung sitzt die Frage, die sonst niemand stellt. Sie geschieht nicht in der Sekunde, in der du den Einschaltknopf drückst. Das System meldet sich mit Verzögerung bei den Apps, und ein Wecker, dessen Weckzeit in diese Verzögerung fällt, ist in diesem Moment bereits überfällig.
Zwei gemessene Zahlen statt eines Versprechens
Die erste Zahl ist eine Messung, kein Richtwert. Bis das Startsignal des Systems bei der App ankommt, können unter Samsungs One UI Minuten vergehen: Auf einem Gerät waren es zwei Minuten und 45 Sekunden. Diese Verzögerung ist keine Kleinigkeit. Wer um 6:30 Uhr neu startet und um 6:31 Uhr geweckt werden will, hat ein Problem, das keine App abstellen kann.
Die zweite Zahl ist eine Grenze, und sie steht hier, weil sie unbequem ist: 30 Minuten. Ein Wecker, dessen Weckzeit gekommen ist, während das Handy aus war oder während diese Verzögerung lief, klingelt nach dem Hochfahren nach. Nachgeholt wird er aber nur, wenn seine Weckzeit höchstens 30 Minuten zurückliegt. Danach klingelt er nicht mehr. Gerechnet wird ab dieser Weckzeit, nicht ab dem Einschalten. Der Grund dafür steht in unserem Quelltext: Zu spät ist besser als gar nicht, aber ein Handy, das stundenlang aus war, soll nicht in ein leeres Zimmer klingeln.
Sofort losklingeln darf die App dabei nicht. Direkt aus dem Startsignal heraus lässt das System keinen Weckton zu. Die App trägt den Nachhol-Wecker deshalb fünf Sekunden in die Zukunft ein und lässt ihn auf demselben Weg klingeln wie jeden anderen Wecker. Fünf Sekunden merkt niemand. Wichtig ist daran nur eines: Das Nachholen ist eingebaut, es passiert nicht zufällig, und es hört nach einer halben Stunde auf.
Was auf dieser Seite nicht versprochen wird
Zuverlässig auch nach einem Neustart: Das wäre ein schöner Satz, und er wäre falsch. Richtig ist der umständlichere: Der Wecker kommt zurück, unter Umständen ein paar Minuten zu spät, und liegt seine Weckzeit weiter als eine halbe Stunde zurück, kommt er gar nicht mehr. Für einen Wecker um 7:00 Uhr spielt das keine Rolle, wenn du abends um 23:00 Uhr neu startest, und für einen Neustart kurz vor der Weckzeit spielt es die Hauptrolle. Denn eine Zahl ist kein Versprechen.
Gemessen haben wir außerdem nur, was wir messen konnten. Für das iPhone liegt uns keine solche Zahl vor. Was die eingebaute Uhr deines Handys nach einem Neustart tut, haben wir nicht geprüft, und ob andere Wecker-Apps ihre Wecker überhaupt neu anmelden, wissen wir nicht. Behauptet wird hier deshalb nur das, was wir selbst geprüft haben.
Wenn du das Handy abends neu startest
In der Praxis folgt daraus wenig. Einzustellen ist nichts: Die Wiederanmeldung läuft von selbst, ob du von ihr weißt oder nicht. Eine einzige Gewohnheit erspart dir trotzdem den Grenzfall, und sie kostet dich nichts. Starte das Handy nicht in der letzten halben Stunde vor der Weckzeit neu, sondern am Abend, wenn du es ohnehin in der Hand hast. Der Rest ist die einfachere Hälfte: Ohne Netz klingelt dein Wecker, ohne Strom nicht.
Bleibt der Fall, in dem der Wecker nicht am Netz und nicht am Neustart scheitert, sondern an einem Schalter im System: Wecker-App klingelt nicht. Ob eine App neben der Uhr auf dem Handy überhaupt nötig ist, beantwortet eine andere Seite: Wecker-App oder Handy-Wecker. Und wie leise so ein Wecker anfangen darf, steht hier: Wecker mit ansteigendem Klingelton.

