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Wecker mit ansteigendem Klingelton: was dabei wirklich passiert

Eine leere Schlafzimmerwand am Morgen: das Licht fällt von links ein und geht als weicher Verlauf in die dunkle rechte Zimmerhälfte über, ohne Möbel und ohne harte Kante

Um 6:30 Uhr springt der Ton aus dem Nichts auf volle Lautstärke. Wach bist du davon nicht, du bist erschrocken, und das hält ungefähr zehn Sekunden. Danach liegst du wieder.

Genau das will loswerden, wer den Klingelton lieber ansteigend einstellen möchte. In den deutschsprachigen Suchergebnissen zu dieser Frage stehen fast nur Foren und die Support-Seiten der Hersteller, dazu ein Video und eine einzelne Anleitung. Alle zeigen dasselbe: wo der Schalter sitzt. Was er tut, steht nirgends.

Ansteigend ist dabei ein erstaunlich leeres Wort. Ein Ton, der ansteigt, kann bei einem Zehntel anfangen oder bei der Hälfte. Oben ist er nach fünf Sekunden oder nach einer Minute. Dazwischen steigt er gleichmäßig, oder er kriecht erst lange und springt am Ende. Drei Angaben trennen die eine Kurve von der anderen, und auf den Seiten, die zu dieser Frage ganz oben stehen, kommt keine einzige davon vor.

Android und iPhone: zwei verschiedene Antworten

Auf Android gehört diese Funktion meistens zur eingebauten Uhr. Deren Wecker-Einstellungen kennen eine Option, die die Lautstärke über eine einstellbare Anzahl Sekunden hochzieht. Wie sie auf deinem Gerät genau heißt und in welchem Menü sie liegt, steht hier nicht: Wir haben kein Gerät durchgeklickt, und zwischen den Herstellern unterscheidet sich der Weg dorthin ohnehin. Nachsehen musst du also selbst, in den Einstellungen deiner Uhr-App.

Auf dem iPhone gibt es diese Einstellung nicht. Der Wecker der Uhr-App klingelt mit der Lautstärke, die eingestellt ist, und zwar vom ersten Ton an. Was in den Foren als Ausweg herumgereicht wird, läuft auf Handarbeit hinaus: einen eigenen Klingelton bauen, ihn in den ersten Sekunden langsam lauter werden lassen und die fertige Datei als Weckton hinterlegen. Das geht, und es ist ein Nachmittag Arbeit für eine Einstellung.

Eine eigene Frage ist, ob sich eine zweite App neben der eingebauten Uhr überhaupt lohnt: Wecker-App oder Handy-Wecker.

Die Kurve bei Wake Boom: von 10 auf 100 Prozent

In Wake Boom sitzt die Lautstärke im Editor als eigene Zeile, und dahinter steht der erste Abschnitt: „BEIM KLINGELN“. Vier Einträge stehen darunter, mehr nicht. Bei „Sofort“ läuft der Ton ab der ersten Sekunde auf voller Lautstärke. Daneben stehen „15 s“, „30 s“ und „60 s“, jeweils mit dem Zusatz, dass der Ton leise beginnt und nach der genannten Zeit oben ist.

Dahinter liegt eine gerade Linie. Der Ton startet bei 10 Prozent der Weckton-Lautstärke, steigt gleichmäßig auf 100 Prozent und bleibt dann dort. Keine Beschleunigung am Schluss, kein Sprung, keine versteckte Stufe: Nach der Hälfte der gewählten Zeit liegt die Lautstärke genau in der Mitte zwischen dem leisen Anfang und dem vollen Ton. Bei „30 s“ ist dieser Punkt nach 15 Sekunden erreicht.

Diese Zahlen stehen hier, weil wir sie nachschlagen können. Auf den Seiten über dieser hier fehlt jede einzelne davon, und das liegt nicht an schlechter Arbeit: Ein Forenbeitrag beschreibt eine Einstellung, die jemand anderes gebaut hat. Doch Beschreiben ist etwas anderes als Bauen.

Die zweite Einstellung, die sonst niemand hat

Ein Wecker von Wake Boom verstummt nicht, wenn du ihn wegtippst. Still wird er, sobald die Mission gelöst ist, und bis dahin rechnest du oder hältst ein Objekt vor die Kamera. Für genau diese Zeit steht im selben Abschnitt eine zweite Überschrift: „WÄHREND DER MISSION“, darunter zwei Einträge.

„Volle Lautstärke“ heißt, dass der Wecker laut bleibt, bis die Mission gelöst ist. „Leiser in der Mission“ heißt, dass der Ton auf 20 Prozent fällt, solange du an der Aufgabe bist, und sofort zurückkommt, wenn du aufhörst. Leise bleibt es nur, solange du wirklich tippst oder rechnest. Nach 30 Sekunden ohne Eingabe gilt die Mission als verlassen, und der Ton steht wieder auf voller Lautstärke. Die erste Wahl ist die strengere. Die zweite macht das Rechnen erträglich, ohne dass du den Wecker damit aus der Hand gibst.

Beide Einträge betreffen die Zeit nach dem Klingeln, die Kurve darüber die Sekunden davor. Zwei Einstellungen für zwei verschiedene Momente.

Unabhängig voneinander sind die beiden trotzdem nicht. Mit „Leiser in der Mission“ endet die Kurve, sobald die Mission erscheint: Danach läuft der Wecker auf voller Lautstärke weiter und nicht wieder auf der Kurve. Mit „Volle Lautstärke“ steigt sie durch die Mission hindurch weiter.

Der Haken an einem leisen Anfang

Ein leiser Anfang kostet auch etwas. Die ersten Sekunden sind bei „60 s“ nicht laut, sondern kaum hörbar, und wer den Wecker ohnehin verschläft, verschläft diese Minute mit. Zwei Dinge müssen deshalb stimmen. Ankommen muss der leise Anfang überhaupt erst einmal, und zwei Systemschalter stehen ihm sonst im Weg: Der Lautlos-Modus greift nicht, weil der Wecker auf der Weckton-Lautstärke läuft, und „Nicht stören“ greift ebenfalls nicht, weil der Wecker-Kanal davon ausgenommen ist.

Das zweite ist das Ende der Kurve, und es darf nicht verhandelbar sein. Dafür ist der Unerbittlich-Modus da. Eine Hand, die das Handy stummschaltet, es umdreht oder die App aus dem Speicher wischt, hat den Wecker damit nicht erledigt: Er kommt zurück, und die Mission steht weiter offen. Ohne diese Bedingung wäre eine Minute Anlauf nur eine Minute Vorsprung für deinen Autopiloten.

Ein stiller Morgen hat manchmal einen ganz anderen Grund als die Kurve, nämlich einen Schalter im System. Welcher das sein kann, steht hier: Wecker-App klingelt nicht.

Welche der vier Zahlen die richtige ist

Eine Empfehlung steht hier nicht, und der Grund ist unspektakulär: Wir haben nicht gemessen, ab wann ein leiser Anfang zu leise ist. Der Unterschied zwischen den vier Einträgen ist ohnehin keiner der Endlautstärke, sondern einer der Dauer. „Sofort“ gibt dir null Sekunden Anlauf, „60 s“ gibt dir eine Minute, und in dieser Minute entscheidet sich, ob du sanfter aufwachst oder gar nicht.

Zwei Fälle liegen dabei weit auseinander. Wer neben jemandem schläft, kauft sich mit der Kurve vor allem Rücksicht, denn der Ton bleibt eine Weile unter der Schwelle, ab der auch der andere aufwacht. Wer den Wecker regelmäßig verschläft, kauft sich mit derselben Kurve ein Risiko. Für den zweiten Fall ist „Sofort“ die ehrlichere Wahl, und die Kurve ist dann schlicht das falsche Werkzeug.

Daneben liegt eine ganz andere Frage, nämlich welcher Ton dich überhaupt erreicht: nerviger Weckton oder ruhiger.

Für heute Abend

Öffne den Wecker, der morgen früh klingelt. Ein Antippen der Zeile „Lautstärke“ bringt dich in den Abschnitt „BEIM KLINGELN“. Steht dort „Sofort“, dann kennst du bisher genau eine der vier Antworten. Stell eine der drei Zeiten ein, lass den Abschnitt darunter so, wie er ist, und speichere. Morgen früh hörst du zum ersten Mal, wo 10 Prozent liegen, und danach weißt du, ob dir 15 Sekunden reichen oder ob es 60 sein müssen.

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